Was ich nicht sehen will

Nein, ich bin nicht nett. Und ich wüsste nicht, warum ich mich in den Ferien anders verhalten sollte. Deshalb: Diese Geschichte ist nicht nett, sexistisch, beleidigend und undifferenziert. Wenn dich diese Dinge stören oder du undifferenziert nicht verstehst, dann solltest du nicht weiterlesen!

Wenn du immer noch am lesen bist, hast du entweder den ersten Teil nicht gelesen, nicht verstanden oder du willst es so. Nun gut, ich habe dich gewarnt.

Wie die Mehrheit der westeuropäischen Bevölkerung habe ich Urlaub und diesen nicht zuhause verbracht. Wäre ich nun wirklich böse, so würde ich schreiben, wo es sich abspielte und wann. Aber ich bin nur boshaft.

Ein kleines Hotel in den Bergen, Gartenwirtschaft, ein paar Touristen … und ich als Beobachter. Es gibt Dinge, welche ich noch nie gesehen habe. Und es gibt Dinge, welche ich auch nie sehen möchte. Das Problem in der Gesellschaft: Die Anderen wissen selten, was ich möchte und was nicht. Deshalb hier etwas, was ich nicht sehen möchte. Zur Seite stehende Brustwarzen etwa … (ich habe dich gewarnt!). Nicht, dass ich etwas gegen Brustwarzen hätte, oder gegen Frauen, nein, so ist es nicht. Aber ich will sie nicht sehen, wenn die Frau angezogen ist, ich im Restaurant sitze und sie zehn Meter von mir entfernt ist. Und warum um alles in der Welt ragen sie nach links und rechts und nicht wie ich es mir gewohnt bin vorne? Ich werde es wohl nie erfahren… Nein, ich habe nicht gestarrt! Sie wurden mir vorgesetzt!

Ein paar Tische weiter das alte Päärchen, viel netter anzusehen. Ich sage bewusst alt. Aber dies nicht, weil ich nicht nett bin, sondern weil sie es waren! Es waren Engländer. Verb britisch. Schätzungsweise bereits verheiratet, als der Buckingham Palast gebaut wurde. Aber sie hatten Stil. Und Humor. Und waren offensichtlich immer noch schwer verliebt! Oder näherten sie sich nur, um einander noch zu hören? Sie trug ein Sommerkleid und einen Strohhut, Golfschuhe in Grün und Beige. Eine wirkliche Lady. Er ein Gentleman. Anzug und Krawatte, die “finance” am lesen, wartete er auf sie. Zusammen versuchten sie Fliegen zu klatschen. Und jeden Fehlschlag (es gab nur solche) bekicherten sie gemeinsam. So etwas möchte ich sehen!

Gemeinsam stiegen sie in ihr Auto. Sie würden sich im Fahren abwechseln, erklärten sie der Wirtin zuvor … Nein, so etwas mochte ich nun wieder nicht sehen! Er schwerhörig, sie blind, zusammen im Strassenverkehr … Graus …

Und am Nebentisch? Meine liebsten Verkehrsteilnehmer… Die Radfahrer … Naja, wer sich bei Temperaturen gegen 30 Grad stundenlang auf dem Asphalt in die Höhe quält ist entweder masochistisch oder irr…oder beides. Spontane Regentropfen? Kein Problem, man bleibt auf der Terrasse sitzen … solange das Fahrrad im Trocknen steht … Ein Einzelfall? Ganz bestimmt; wie jene Familie auf der Sesselbahn. Rechts aussen er, Radfahrer. Sein Fahrrad aussen angehängt. Zu seiner linken sein Kind, geschätzte 4 Jahre alt. Daneben ein zweijähriges und links aussen sie. Sie hält ihr Kind fest, damit es nicht unter dem Bügel wegrutscht … er? Er hält sein Fahrrad fest …

Die Brustwarzen gehen mir nicht aus dem Kopf. Fahrrad aufhängen? …

Ein Mercedes fährt auf den Parkplatz. Zwei Männer und eine Frau steigen aus. Der Fahrer, Typ 55 – jähriger Exzuhälter. Der Zweite sein Jugendfreund, Skilehrer. Sie eine attraktive Ausländerin, spricht gebrochen Hochdeutsch. Offenbar haben sich die beiden lange nicht gesehen, sie ist eher zufällig dabei. Die beiden Männer belügen sich gegenseitig. Erzählen Geschichten aus den vergangenen Jahren, Dinge, die so gar nicht geschehen sein können … Sie reden in Mundart, wenn sie lachen, übersetzen sie es für die Frau in Hochdeutsch. Sie lacht mit. Auch ohne zu wissen, um was es wirklich geht. Und dann die Hammeraussage des Abends: „Jack Daniels ist der beste Whisky, den es gibt …“

Naja, ich äussere mich jetzt nicht im Detail; nur soviel: Wirklich weit in der Welt herumgekommen ist der Mann wohl nicht. Hat noch nicht viel gesehen … Ob er wohl jemals aussenstehenden Brustwarzen begegnet ist?

Ich habe für diesen Abend genug gehört (gesehen schon lange). Ich bezahle und gehe auf mein Zimmer. Ich kann nicht sofort einschlafen. Meine Gedanken kreisen. Ich stelle es mir bildhaft vor. Einmal links. Einmal rechts. Bewundernswert. Was? An was ich wohl denke?

Na, an die beiden alten Briten, die sich in ihrem rechtsgesteuerten Wagen im Strassenverkehr auf dem Festland zurechtfinden sollen … Ob sie wohl auch kichern, wenn sie einen Irren vom Fahrrad holen?! Ich möchte es nicht sehen, wirklich nicht …

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