Wahltag

Es war Wahltag. Zur Wahl stand der kleine Sturkopf, welcher bereits durch seine rüpelhafte Art aufgefallen war und eine erste Zeit im Amt war. Er hatte die Massen schon länger mobilisieren können; er wusste genau, was seine Anhänger hören wollten. Gegenkandidat war ein Mädchen, unscheinbar, unauffällig. Viele hatten die groben Sprüche und Pöbeleien des Jungen satt und stimmten deshalb für das Mädchen. So kam es, dass sie ins Amt gewählt wurde.

Um einen Auftrag zu erfüllen, bildeten sich Gruppen. Das Mädchen gehörte zu den Steinböcken, es gab Bären und Adler, Stiere, Blauweisse, Rotweisse, Schwarzweisse und viele mehr. Die Mehrheit war sehr zufrieden und das Mädchen fiel auf durch sehr überlegtes Handeln, Sachverstand und einen angenehmen Umgang mit den Anderen. Auch mit ihren Gegnern und Kritikern blieb sie fair.

Die Freunde des Sturkopfs wollten die Wahl nicht anerkennen und haben kurzerhand beschlossen, dass das Mädchen nicht mehr mitspielen dürfe.

Ihre Freunde, die Steinböcke hielten aber zu ihr und auch die Bären unterstützten sie.

Das war zu viel für Sturkopfs’ Freunde: Sie beschlossen kurzerhand, dass die Steinböcke überhaupt nicht mehr mitspielen dürften! Von nun an nörgelten sie an allem herum, was Andersdenkende sagten, versuchten jede Abstimmung zu blockieren und lähmten damit das ganze System. Konstruktive Beiträge konnten sie keine mehr einbringen, weil jeder einzelne der Sturköpfe rauszufliegen drohte, hätte er sich nur ein wenig gegen die Leitung geäussert.

Innert kürzester Zeit waren sie zu einem lächerlichen Haufen geworden, welcher nur noch ein Ziel verfolgte: eigenes Überleben durch laute Töne!

Wie? Ich mich politisch äussern? Nein, wo denken Sie hin?!

Als Besitzer eines dynamischen Dorfladens kann ich mir nicht leisten, mich für die Politik einzusetzen. Dieses Drama spielte sich im Kindergarten ganz in der Nähe des Dorfladens ab!

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