Verkehrt

Manchmal frage ich mich schon … vielleicht bin ich ja wirklich etwas zu kompliziert … In den 80er Jahren war es verbreitet, die Firmenfahrzeuge vorne spiegelverkehrt zu beschriften – und man sieht es noch heute! Dabei entbehrt es jeder Logik: Erstens kann der Mensch, wenn er eine Schrift im Rückspiegel sieht, den Text auch so lesen. Das Gehirn schaltet automatisch um und bemerkt nicht mal mehr, dass es eigentlich verkehrt herum zu lesen ist.

Und der zweite Punkt: Wenn der Sanitärinstallateur XY mir während 10 Minuten hinterherfährt, so sehe ich zwar (unnötigerweise) seinen Schriftzug 10 Minuten lang korrekt … aber die 200 entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer können’s fast nicht lesen, weil sie ja nicht in den Spiegel schauen! Zudem: Ist das Fahrzeug mal parkiert (und ich behaupte: das ist bei Handwerkerfirmen öfters der Fall, als dass sie fahren) so wäre eine Normalschrift auf jeden Fall geeigneter! Aber wie gesagt, vielleicht bin ich auch nur zu kompliziert … 

Apropos verkehrte Welt:  NZZ.ch vom 15. Mai 2009: Zeitung gerettet – Belegschaft dezimiert

Und natürlich muss auch der «Bund» bluten, hier werden insgesamt 22 Vollzeitstellen, davon 19 in der Redaktion, abgebaut.

“Dezimierung: Der Ausdruck Dezimierung oder Dezimation (von lat. decem = zehn) bezeichnet heute eine (starke) Verringerung durch Gewalteinwirken. Ursprünglich war damit die Verringerung um den zehnten Teil gemeint.” 

Wie wär’s, wenn man anstelle eines Stellenabbaus mehr an der (journalistischen) Qualität festhalten würde? “Dezimiert” ist in diesem Zusammenhang ein Ausdruck des Revolverblatt-Journalismus, welcher sich zunehmend ausbreitet. Ein Beispiel dafür war auch jener Text in einer Gratiszeitung letzten Winter: “Im Kanton Obwalden geriet ein Lastwagen ins Schleudern, rutschte einen Abhang hinunter und stoppte kurz vor dem Rhein!”

Für alle Nichtschweizer oder geografieunkundigen: Vom Kanton Obwalden bis an den Rhein sind es (Luftlinie) rund 100 km …

Ach, ich bin wirklich zu kleinlich… schreibt doch, was ihr wollt … und wie ihr wollt … Und wenn es schon Journalisten mit Studium und einer Leserschaft von ein paar 100 000 pro Tag nicht schaffen, korrekt zu informieren, so kann die Sanitärfirma XY ihre Fahrzeuge auch mit chinesischen Schriftzeichen verzieren, mir doch egal …

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