Unterwegs

Lesezeit: 2 Minuten

Ich erinnere mich noch gut daran! In meiner Kindheit ging man zum essen nach hause. Die ganze Familie aß zusammen am Tisch. Und manchmal, am Sonntag, gingen wir zum Picknick. Und auch da setzten wir uns gemeinsam auf eine Decke zum Essen. Irgendwann hatten wir einen Campingtisch und Klappstühle. Auf jeden Fall hielt man damals zum essen an und setzte sich hin.
Ich weiß nicht mehr, wann ich das erste mal mein Mittagessen im Auto fahrend einnahm. Aber irgendwann war es ganz normal, unterwegs zu essen. Heute wird immer und überall gegessen. Im Zug, beim gehen zum Bahnhof, zwischen den Terminen, im Auto…

Ich erinnere mich noch gut daran; in meiner Kindheit ging man zum telefonieren zum Telefon. Unseres war im Flur an die Wand geschraubt. Das Spiralkabel war lang und irgendwann konnte man sich zum telefonieren auf den Boden setzen. Später kam dann das schnurlose Telefon und wir konnten uns in der ganzen Wohnung frei bewegen zum telefonieren. Und in den 1990er Jahren mein erstes Handy. Von nun an konnte ich unterwegs telefonieren, im Auto, im Zug, am Bahnhof, zwischen den Terminen … Heute ist es selbstverständlich, immer und überall telefonieren zu können.

Ich erinnere mich noch gut daran; in meiner Kindheit schrieb man Briefe von Hand. Man setzte sich an den Tisch, nahm farbiges Briefpapier und passende Umschläge (meine hatten Pferde drauf) und schrieb den Brief in Schnürchenschrift. Und man klebte eine Briefmarke drauf. Eine Woche später hatte man die Antwort, ebenfalls handschriftlich, im Briefkasten. Heute kommuniziert man unterwegs, schreibt Emails im Zug, am Bahnhof, zwischen den Terminen. Und erwartet ebenso schnell eine Antwort.

Ich erinnere mich noch gut daran; in meiner Kindheit schrieben die Autoren ihre Geschichten auf einer Schreibmaschine in ihrem stillen Kämmerlein. Schreibmaschinen waren erschwinglich geworden und meine erste Brother konnte sogar Textzeilen speichern. Blickende schwarze Punkte auf feldgrünem Hintergrund. Ich konnte sie korrigieren, bevor ich sie zeilenweise aufs Papier brachte. Und dank batteriebetrieb konnte ich die Maschine sogar im Garten benutzen. Und heute? Heute schreiben die Autoren ihre Geschichten, wenn sie ihnen einfallen, zwischen Terminen, am Bahnhof, im Zug – ja, auch dieser Text ist im Zug entstanden!

Ich erinnere mich noch gut daran; in meiner Kindheit betrieb man Körperpflege noch zuhause. Die Frauen gingen geschminkt aus dem Haus, Augenbrauen wurden im Badezimmer gezupft. Und heute? Heute sieht man die Frauen im Auto, im Zug und am Bahnhof zwischen den Terminen, sich schminken, Brauen zupfen, Nägel feilen … Ich warte gespannt auf den Augenblick, wenn sich der erste Mensch unterwegs im Zug, am Bahnhof oder im Auto duscht!

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.