Selbstversuch 16: Haustiere

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Wer alleine lebt, kennt das Gefühl: Du kommst nach Hause und kein Schwein interessiert’s … Und manchmal bist du froh, dass es Keinen interessiert … Deshalb halten sich viele Menschen Haustiere.

So kam es, dass auch ich mir Gedanken machte, ein Haustier anzuschaffen. Aber was für eins?

Die Anforderungskriterien waren leicht zu definieren: Pflegeleicht, geruchlos, und flexibel. Der neue Wohngenosse sollte einen Tag alleine überstehen …oder auch mal drei.

Ein Hund? Sicher: ein Tier, welches irgendwie mit mir kommunizieren kann, mir zeigt, dass er sich freut, wenn ich nach Hause komme. Aber regelmässig Auslauf? Hmmm …

 

Eine Katze? Warum nicht. Aber in meiner Wohnung den ganzen Tag alleine? Weiss nicht recht …

Vögel? Ja, sicher pflegeleicht und nicht auf menschliche Gesellschaft angewiesen. Aber streicheln?

Also ein Nager! Meerschweinchen, Kaninchen, Hamster oder Mäuse. Futter rein, Wasser rein, Vieh versorgt.

Reptilien? Echsen, Schlangen? Frösche?  Sicher, interessante Lebewesen … aber kuscheln?

Ein Schaf? Zugegeben, nicht das übliche Haustier, aber andererseits habe ich in der Hausverordnung nichts gelesen, dass man Schafe nicht halten dürfte … Hunde und Katzen sind manchmal im Mietvertrag erwähnt, aber von Schafen habe ich noch nie gehört.

Ich neige ja bekanntlich dazu, die Dinge zuerst mal zu probieren und nicht generell als “unmöglich” abzutun.

Deshalb habe ich mir eine Woche Ferien genommen und, um Zeit zu sparen, mir ein paar Haustiere probeweise auszuleihen.

So kam es, dass sich in meinem Wohnzimmer die Katze mit dem Hund um einen Hamster stritten, während sich die Kornnatter mir einer Wüstenrennmaus unter den Schrank verkroch. Gekuschelt haben die Beiden nicht, wie ich später feststellte.

Der Leguan verstand sich mit den Wellensittichen sehr gut – und die Gefiederten brauchten anschliessend kein Futter mehr – der Leguan übrigens auch nicht.

Entspannend war die ganze Situation nicht, und schliesslich musste der Hund raus. Angesichts des Schneefalls beschloss ich, den Hund antiautoritär Gassi zu führen. Ich öffnete die Türe und lies ihn selbst entscheiden, wohin er pinkeln wollte und wann er wieder reinkommen möchte. Naja, seither habe ich ihn nicht mehr gesehen und es ist doch schon ein paar Wochen her …

Während der Hund die Wohnung verlassen hatte, zeigte ich der Katze den Balkon. Und diese testete sogleich die Federkraft ihrer Sprunggelenke. Tatsächlich landete sie auf den Beinen, soweit ich von oben erkennen konnte …

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Hund, Katze und Hamster waren aus dem Rennen, Wellensittiche gab es auch keine mehr.

Apropos Rennen: Ich versuchte die Schlange unter dem Schrank hervorzulocken. Als mir dieses aber zu lange nicht gelang, holte ich den Staubsauger …

Nein, nicht, was ihr jetzt denkt! Ich verwendete das Saugrohr, um das Tier seitwärts unter dem Schrank hervorzuschieben. Die Natter nutzte die Gunst der Stunde und verliess das Schlafzimmer freiwillig. Und mit ihr die Rennmaus. Was mir eigentlich ganz recht war; bestimmt sah diese nicht mehr sehr attraktiv aus.

Und hätte der dumme Hund die Türe nicht offen gelassen, wäre die Schlange sicher in der Wohnung geblieben.

Erschöpft von derlei Aufregung, liess ich mich auf’s Sofa fallen. Dabei entdeckte ich den Leguan, welchen ich zwischenzeitlich vergessen hatte. Dazu kann ich nur sagen: So robust, wie diese Tiere aussehen, sind sie gar nicht! Dies bestätigte mir später auch der Präparator, welcher die Echse ausstopfte.

Mittlerweilen war es Abend geworden und ich legte mich ins Bett. In Gedanken liess ich den Tag noch einmal Revue passieren und begann schliesslich, Schäfchen zu … Heiliger Donner! Ich hüpfte aus dem Bett und rannte ins Wohnzimmer. Aber ich kam zu spät! Die drei Schafe hatten das Sofa bereits gefressen und nur ein einzelnes Kissen übriggelassen!

Wie ihr euch denken könnt, habe ich keines der Tiere als Haustier gewählt.    

Dafür kuschle ich mit dem einsamen Kissen, wenn mir danach ist. Es braucht kein Futter und es ist ihm egal, wenn es mal mehrere Tage allein sein muss. Es macht keinen Lärm und keinen Müll. Es müffelt ein bisschen, aber diesen Kompromiss gehe ich ein …

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