Schreck am Morgen

Neulich, ganz früh am Morgen, draussen noch dunkel. Wie üblich liess ich mir einen Kaffee aus der Maschine, als ganz plötzlich das Licht ausfiel. Anfänglich glaubte ich, dass meine Kaffeemaschine die Sicherung überfordert hatte – ein Blick aus dem Fenster zeigte aber, dass das ganze Dorf unbelichtet war. Immerhin, meine Tasse war voll und duschen bei Kerzenlicht ebenfalls kein Problem. Frühmorgens als Erster im Wohnsilo ist auch das Warmwasser noch kein Problem.

Das zusammensuchen der Kleider hingegen schon schwieriger. Aber, was ein ordentliche Haushalt ist, leistet sich eine Taschenlampe; diese zu finden ist wiederum ein anderes Thema. Ich habe sie jedoch gefunden und somit auch die Mehrheit meiner Kleidungsstücke, welche ich anziehen wollte. Die Berufskleider hatte ich während den vorangegangenen Ferienwochen in der Abstellkammer aufgehängt. Ich begab mich deshalb mit der Taschenlampe ausgerüstet in diese Kammer.

Je nach Licht, sehen die Dinge bekanntlich anders aus. Ich leuchtete die Kleiderstange ab und fand meine orangen Hemden sofort. Ein Schwenker mit der Taschenlampe erhellte weitere Textilien. Winterjacken, Regenjacken, Hosen (was, diese hatte ich auch noch?) und schliesslich wurde der Lichtkegel reflektiert.

 

Halllooo? Was zur Hölle war das denn? Glänzend, einigermassen säuberlich an einem Bügel hängend? Ich tastete danach.

Mich schauderte. Tatsächlich, ich hatte meinen treuen Begleiter aus dem vorigen Jahrhundert gefunden! Meinen Trainingsanzug aus Ballonseide! Jenes Ding, welche ich bereits drei Wohnungswechsel zuvor hätte in einen Rotkreuzsack statt in eine Umzugskiste befördern sollen.

Aber wer kennt das Problem nicht? Kleider, welche wegen Nichtbenutzung in nahezu neuwertigem Zustand sind, schmeisst man doch nicht weg … andererseits: anziehen werde ich das Ding ganz bestimmt auch nie mehr …

Die Zeit drängte langsam und ich lies den Anzug hängen, wo er schon immer hing … bis zum nächsten Umzug … wer weiss, vielleicht kommt er dann in den Sack …

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