Mädchenmenge

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Ach ja, wieder so ein Tag. Warenlieferung, Arbeit ohne Ende. Wenig Kunden, bei schönem Wetter, klar. Regale auffüllen, Getränke stapeln, Salat befeuchten.

Und zwischendurch eine Kundin. Oder ein Kunde.

Der Laden, Selbstbedienung mit bedienter Käsetheke. Also muss ich meine vielfältigen Arbeiten gelegentlich unterbrechen und bedienen.

Bedienen bedeutet: Angefangene Arbeit so verlassen, dass niemand darüber stolpert, Hände waschen, abtrocknen, Kundenwunsch erfragen und das entsprechende Produkt aus der Theke nehmen, Stück abschneiden, einpacken, weitere Stücke verkaufen und verpacken. Messer waschen, Käse verpacken und wegräumen, Hände waschen und schliesslich an die Kasse zum einkassieren.

Soweit so gut.

Und dann kommt da jener Mann, nach Harz riechend. Schwere Arbeiterschuhe, Sägeschutzhose in Tannengrün. Waldarbeiter-Jacke, Sägespähne im Haar. Ein stattlicher Mann. Gross und stark.

„Ich hätte gerne ein Stück Emmentaler!“ sagte er mit kräftiger Stimme; er sagte Stück, nicht Stückchen!

Ich setzte das Messer an. „Wie viel hätten sie den gerne?“ „100 Gramm!“

Ich hob meinen Kopf, schielte über meine Brille? „Habe ich dich Recht verstanden? Die Mädchenmenge?“ „Öhmm… 200 Gramm!“ sagte er nun.

„Wenn du einen Baum fällen willst, welche Säge nimmst du dann? Die Elektrosäge aus dem Baumarkt oder eine Profimaschine von Stihl?“

Ich sah ihm in die Augen und sagte: „Weisst du was? Wir machen es anders: Ich setze das Messer an und du sagst einfach Stopp, wenn ich weit genug bin?!“ Er nickte.

Naja, mit eine ganzen Kilo Emmentaler hatte ich nicht gerechnet; aber er war nun ein richtiger Mann.

Wenn ich etwas nicht mag, dann kaufe ich es nicht – und wenn ich etwas mag, dann ganz bestimmt nicht bloss 100 Gramm! Merkt euch das, ihr Mädchen ..!

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