Lehrlinge

Ich bin der Meinung, wer im Detailhandel keine Lehrlinge ausbildet, ist selber schuld! Oft höre ich von Kollegen, das könnten sie sich nicht leisten! So ein Quatsch! Ein Lehrling lohnt sich immer! Bereits nach drei Wochen: Wenn man den Auszubildenden richtig instruiert, so kann er oder sie an der Kasse genau das Gleiche, wie eine ausgelernte Verkäuferin! Einkassieren und freundlich sein! Aber zu einem Bruchteil des Gehaltes! Dann kommt immer das Argument: Aber die Warenkunde und die Bedienung der Kunden muss man ihnen auch noch beibringen … Stimmt nicht: das lernen sie in der Gewerbe-schule und im Selbststudium; die praktische Arbeit im Laden und den Umgang mit Lebensmitteln zeige ich ihnen, wenn wir die Ware ins Regal räumen. Im Übrigen hat es noch keinem Detaillisten geschadet, sich wieder mal mit Herkunft, Pflege und Verarbeitung seiner Produkte auseinanderzusetzen. So bleibt dann noch das Argument: Die Lehrlinge sind fast nie im Laden, Ferien und Schule! Das stimmt; ein Lehrling hat fünf Wochen Ferienanspruch, Ausgelernte vier. Das heisst, der Lehrling steht mir an 47 statt 48 Wochen zur Verfügung; das macht eine Differenz von rund 2 Prozent. Und Gewerbeschule … ja, stimmt, ich kann einen Lehrling nur etwa zu 70% – 80% rechnen. Aber schliesslich hat er einen Lohn von nur etwa 20% dessen, was eine Mitarbeiterin nach der Ausbildung verdient. Das lohnt sich immer! Ausser, man hat einen Fehlgriff getan! Wie ich einmal: Ich hatte einen Lehrling, welcher sehr grosses Talent hatte. Und er machte von seinem Talent rege Gebrauch. In jedem Urlaub verletzte er sich! Und wenn ich sage in jedem, dann meine ich in jedem! Und er kannte seine Rechte! Jeder Unfalltag während des Urlaubs ist kein Urlaub. So kam es, dass mein lieber Lehrling in einem Jahr zu seinen 5 Wochen Ferien insgesamt 10 Wochen Unfall hatte. Und wenn er weder Urlaub, noch Unfall hatte, so neigte er dazu, Krank zu sein … in jenem Jahr brachte er es auf 4 Wochen. Eigentlich wäre das alles noch gar nicht so schlimm gewesen, wenn er während der Anwesenheit (ich schreibe bewusst nicht. Arbeit!) etwas getan hätte. Wie abwesend stand er an der Kasse, drückte schneller auf seinem Handy herum als auf der Kasse und begrüsste die Kunden nicht. Es wurde Zeit, einzuschreiten! Er durfte früher Feierabend machen als üblich; als Hausaufgabe sollte er sich überlegen, warum er jetzt schon nach Hause dürfe. Drei Wochen später kam er wieder; er hatte auf dem Heimweg einen Unfall gebaut; weil sein Moped dabei zerstört wurde, kam er nun zu spät. Ich löste diese Anstellung nun auf … aus Dankbarkeit klaute er noch die Kaffeekasse.
Ich revidiere meine Aussage: Ein Lehrling lohnt sich nicht immer!

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.