Hooligan

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Es gibt Menschen, welche unter einem Vorwand, etwas zu sein, Dinge tun, welche sie sich sonst nicht trauen würden. Das kann man. Aber man kann es auch lassen. Vor meinem Laden Dinge zu tun, welche mich und meine Kunden betreffen, die sollte man besser lassen.

So kam es, dass eine jüngere Kundin in den Laden kam und erzählte, draussen stehe einer, welcher sie angepöbelt hätte. Nun, das hätte dieser nicht tun dürfen; schon gar nicht vor meinem Laden!

Ich trat hinaus, es war schon dunkel. Neben dem Brunnen sah ich im Licht der Strassenlampe eine Gestalt stehen. Schwarz glänzende Bomberjacke. Auf dem Rücken in geschwungener Schrift „Hooligan“ aufgenäht. Ich musste laut lachen, als er sich umdrehte und ich sein Gesicht sah. „Ist was, Alter?“ sprach er mich an. „Das war bereits dein dritter Fehler!“ gab ich zurück. „Wie? Was für Fehler?“ „Du pöbelst hier herum, siehst zum Todlachen aus und nennst mich Alter!“ entgegnete ich. „Hey, du weisst wohl nicht, mit wem du es zu tun hast?“ „Oh doch, mit dem Milchkesselträger deiner Mutti!“

Ich glaube, er wurde blass. Oder rot? Ich konnte es nicht genau sehen. „Ich bin ein Hooligan!“ piepste er mit hoher Stimme. „Nein,“ antwortete ich, „das bist du nicht! Du wärst es wohl gerne! Aber ein Hooligan würde sich niemals bei H&M eine Pseudobomberjacke kaufen, auf welcher „Hooligan“ steht! Wie oft warst du schon im Stadion?“ „…ehmm … ja, also … ehm …“

Zu mehr kam er nicht. Sein Handy klingelte. Nokia-Standardton (Sie wissen, was ich meine!?) „Ja, mache ich, ja, klar, jaaa, ich vergesse es nicht …“ Sichtlich aufgebracht steckte er sein Handy in die spezielle Handyinnentasche seiner Jacke.

„Ich sage dir jetzt noch etwas: Wenn du hier noch einmal meine Kunden anmachst, dann schlage ich dich dermassen windelweich, dass du deinen Namen nicht mehr aussprechen kannst und den Heimweg nicht mehr findest!“ Ich war selbst erstaunt, wie ruhig aber bestimmt mir dies gelang. Er nickte nur noch.

Ich ging wieder in den Laden zurück.

Er kam auch. „Hast du etwas nicht verstanden?“ fragte ich. „Doch, aber meine Mutti hat angerufen, ich solle Milch nach Hause bringen …“ stammelte er. Beinahe tat er mir leid. In seiner Bomberjacke habe ich ihn seither nie mehr gesehen.

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