Handwerker

Es gibt Menschen, die können etwas, was andere nicht können. In meinem Fall ist es fast alles Handwerkliche … was ich nicht kann! Ich habe zwar die Idee, wie etwas sein sollte, aus welchem Material und ich weiss, wo man das Material bekommt. Aber wenn ich zwei Löcher in eine Wand bohren soll, so werden sie nie dort hinkommen, wo ich es mir vorgestellt hatte. Auch wenn ich weiss, wie und mit was man ein Problem lösen kann, so bin ich doch offen für bessere Vorschläge durch die Profis. Die Modernisierung des Dorfladens erforderte auch ein Gerät für elektronische Bezahlung. Und dieses musste natürlich an praktischer Stelle montiert werden. Also ging ich in den Baumarkt und holte mit ein paar Bretter, zwei Winkeleisen und ein paar Schrauben. Das Material kostete weniger als das Benzin, welches mein alter Bus verbrauchte um in den Baumarkt zu fahren. Mit einer viel zu grossen Säge würgte ich die Bretter in die richtige Grösse und konstruierte ein Tischchen. Es war nicht wirklich schön, stabil schon gar nicht … und das Gerät, welches darauf hätte platziert werden sollen, war scheinbar zwischen-zeitlich gewachsen; es schaute auf beiden Seiten 2 cm über das Tischchen hinaus. Also wurde ein Handwerker beauftragt. Lerne: 1. Sag nie einem Handwerker, es eilt nicht! Genau wie ich im Dorfladen ist der Handwerker auch der einzige im Dorf – und der macht mit seinen Kunden, was er will. Wenn er dann nach dreimaligem Erinnern endlich im Laden steht und den Platz ausmisst, mit fachmännischem Blick über die Brille schaut, Mitleid ausstrahlt … dann weisst du: Das wird teuer. 2. Regel: Sag nie, es muss stabil werden! Er hatte sofort eine gute Idee; ein ganz stabiler Würfel musste her, meine Tischchenform wäre zu wenig solid. Naja, so hatte ich es noch nie betrachtet und hatte deshalb eine Idee: Wenn schon ein Würfel, dann mit Türchen, damit man das Verbrauchsmaterial auch gleich darin aufbewahren kann. Wissen Sie, was ein Türchen kostet? Ich beschloss jedenfalls, dass das Türchen nicht nötig ist … Regel 3: Termin vereinbaren! Nach drei Wochen und 6-mal ermahnen, stand der gute Mann mit dem Würfel im Laden. Das Möbel war auch nicht schön, es war nicht praktisch aber es war stabil. Das Gerät konnte darauf montiert werden und funktionierte einwandfrei. Regel 4: Lassen Sie sich den Preis offerieren! Nachdem ich die Rechnung für den Würfel erhalten hatte, musste ich leer schlucken. Für soviel Geld hätte ich nach Brasilien fliegen können und mir persönlich einen Mahagonibaum fällen und 3 Wochen Urlaub machen können. Naja, am Ende hat es sich dennoch gelohnt. Den Preis habe ich durch „individuelle Preisaufschläge” bei seinen nächsten Einkäufen wieder hereingeholt. Ich hab‘s nicht in den Händen, aber im Kopf …

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