Glatze

Lesezeit: 2 Minuten

Kindermund tut Wahrheit kund … dieses alte Sprichwort stimmt immer noch. Ich mag es, wenn man Dinge beim Namen nennt.

Was nützt es, die Konkurrenz als Mitbewerber zu bezeichnen? Dass man von einem Mitbewerber geschlagen wird und nicht von einem Konkurrenten? Ist es dann weniger schlimm? Irgendwie kollegial? Oder im Berufsleben: Man hat heute keine Schwächen mehr – man hat Potential …

Da lob ich mir doch die Kleine von Neulich im Laden.

Sie war etwa 5 Jahre alt. Grosse blaue Augen, blonde Locken, Wuschelkopf. Sommerröckchen. Wäre ich 5, ich hätte mich verliebt. „Mami, hast du gesehen: Der Mann hat eine Glatze?!“ Mami hob den Kopf, sah ihre Tochter an, sah zu mir und senkte den Kopf wieder. Ihre Wangen röteten sich. Halb flüsternd sagte sie zu ihrer Tochter: „Es haben eben nicht alle Haare! Aber das muss man nicht so laut sagen!“ Ich habe es dennoch gehört …

Die Kleine sah mich wieder an. Suchend, warum man das wohl nicht sagen dürfte …

Ich ging auf sie zu. „Wäschst du dir gerne die Haare?“ fragte ich das Mädchen.

Sie schüttelte den Kopf: „Nein, gar nicht! Und kämmen mag ich auch nicht!“

„Siehst du, ich auch nicht! Und deshalb rasiere ich meine Haare ganz ab!“

Mami war sichtlich erleichtert, dass ich die Situation entschärft hatte und es offensichtlich kein Problem für mich war, dass ihre Tochter das „böse Wort“ ausgesprochen hatte.

Drei Tage später treffe ich die Beiden wieder im Laden. Die Kleine ohne Locken. Oder um es genau zu sagen: Ohne Haare …

Es stellte sich heraus, dass die Kleine wirklich nicht gerne Haare wusch … und Mami bat mich, ihre Tochter nicht mehr auf solche Ideen zu bringen.

Ich entschuldigte mich … und erzählte der Kleinen, wie sehr ich Schokolade mag, seit ich keine Haare mehr habe …

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Ein Kommentar

  • Judith Rüegger

    Lieber Urs Jenny, kompliment zu deiner amüsanten Webseite. Auch ich habe lange im Verkauf gearbeitet, und geniesse die Geschichten die mich an früher erinnern. Doch im Umgang mit Kindern ist immer vorsicht geboten, denn sie tun meistens genau diese dinge die man im Scherz zu Ihnen sagt. Doch die wircklich ernst gemeinten Ratschläge scheinen sie konsequent zu meiden. Seit ich Kinder habe musste ich mir ironisch gemeinte Kommentare abgewöhnen. Und denke nie sie würden sowiso nicht zuhören, denn alles was nicht für ihre Ohren bestimmt ist hören sie mit sicherheit. Liebe grüsse eine ehemalige Verkäuferin.

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