Flammkuchen

Es gibt zwei, drei Dinge, die ich nicht ausstehen kann! Bekanntlich ist das nicht gegrüsst werden etwas davon. Oder über etwas nicht informiert sein. Oder Thementage, von denen ich erst im Nachhinein erfahre, dass sie gewesen sind. Überhaupt sind dies “internationalenesgehtmiramhinternvorbeitage” etwas vom überflüssigsten überhaupt.
Ganz offensichtlich war heute der internationale Nichtgrüssen-Tag.
Und wie gesagt: ich mags nicht, wenn ich es nicht weiss. Scheinbar hatten meine Kunden aber alle davon gewusst und sie hielten sich streng daran.
Und auch die kleine, ahnungslose, alte Dame hatte offensichtlich davon gehört!
Aber offensichtlich nicht von der Gefahr, welche ich in unterkoffeinierten Zustand darstellte.
Dass sie mir einen Flammkuchen unter die Nase hielt und mir damit die Sicht auf ihr Gesicht versperrte, entschärfte die Situation keineswegs.
Wissen Sie, liebe Leser, was der Vorteil von Fertigprodukten ist? Sie sind idiotensicher in der Zubereitung! Eben …
Sie aber frage mich tatsächlich, wie sie das Ding zubereiten müsse.
Ich grüsste sie erst mal. Sie betrachtete mich immer noch. Ich grüsste erneut. Und sie fragte nochmal, ob ich ihr sagen könne, wie man den Flammkuchen zubereiten müsste.
Ich grüsste abermals und schliesslich entschuldigte sie sich. Und grüsste. Na, geht doch!
Ich nahm ihr den Flammkuchen aus der Hand, drehte die Verpackung um und zeigte ihr die Backanleitung. 250 Grad, 6 Minuten backen.
Sie starrte mich an. Ich zeigte ihr die Symbole. “250 Grad, 6 Minuten.”
“Ja, wie? 650 Grad? Und wie lange?” Sie sah mich fragend an.
“Bei 650 Grad würde ich nur etwa 2 Minuten,” antwortete ich, “aber wenn sie es nach der Anleitung bei 250 Grad belassen, wirds sicher besser!” “Naja, so eilig habe ich es auch nicht.” Sie lächelte zufrieden, drehte sich um und trottet davon.
Wenige Augenblicke später stand sie wieder hinter mir. Als ich mich umdrehte, hatte ich wieder den Flammkuchen vor meinem Gesicht.
“Muss ich den im Backofen zubereiten?” fragte sie mich diesmal. Ich nahm ihr den Kuchen aus der Hand. “Wenn sie 6 Minuten Zeit haben, backe ich ihnen den Flammkuchen kurz fertig!”
“Das würden sie tun?” fragte sie ungläubig. “Sicher, gehen sie doch schon mal zur Kasse, ich bringe ihnen den Kuchen nachher dorthin!” Sie zottelte los.
Ich packte den fixfertigen Flammkuchen in eine Pizzaschachtel und ging zur Kasse damit. Die Dame war weg. Sie hatte ihre restlichen Dinge bezahlt und den Laden verlassen.
Ich hatte Flammkuchen zu Mittag.
Und morgen ist internationaler “mach es doch selbst Tag”! Versprochen! Ich werde es nicht vergessen!
Ach ja: Flammkuchen mag ich übrigens auch nicht …

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