Ferdinand und die Diebe

Ferdinand wusste nicht, wie die beiden Einbrecher in die Wohnung gelangt waren. Eigentlich war es auch nicht wichtig. Sie waren da und er war nicht begeistert. Zumindest hatte er einen Heimvorteil. Er kannte sich in der Wohnung aus und konnte sich euch ohne Licht orientieren.

Und die Eindringlinge hatten nicht bemerkt, dass Ferdinand wach war. Diesen Vorteil wollte er nutzen. Ohne das geringste Geräusch huschte er die Treppe hinunter. Er schien zu schweben. Hinter dem Sofa angelangt, duckte er sich auf den Boden und lauschte. In der Küche schienen sie zu sein. Deutlich hörte er das saugende Geräusch der Kühlschranktüre, die sich gegen das Öffnen zu wehren versuchte. Erfolglos wie immer.

Ferdinand sah den Lichtschimmer auf dem Küchenboden, breiter werdend und sogar ins Wohnzimmer gleitend. Er verhielt sich still und äugte ins Licht.

Das war kein Dieb, nein, seine Mitbewohnerin stand im langen Nachthemd vor dem Kühlschrank und trank Milch aus der Tüte. Ob sie die Eindringlinge nicht bemerkt hatte? Scheinbar nicht. Fräulein Besenlaub hätte sich wahrscheinlich auch nicht in die Küche getraut, wenn sie gewusst hätte, dass sie nicht alleine war.

Ferdinand beschloss, sie nicht zu erschrecken und verhielt sich weiterhin ruhig. Die beiden Diebe, so dachte er, würden Fräulein Besenlaub beobachten und somit hatte er etwas Zeit gewonnen, um das Wohnzimmer zu durchqueren. Es gelang ihm unbemerkt und er versteckte sich hinter dem Vorhang am Fenster.

Fräulein Besenlaub lebte nun schon seit einigen Jahren mit Ferdinand zusammen und sie genoss es, nicht alleine in dem Haus zu sein. Aber sie hatte ihre Marotten behalten und dazu gehörte, mitten in der Nacht aufzustehen und Milch aus der Tüte zu trinken. Ferdinand hatte sich nie darüber beklagt.

Frauentypisch konnte sie den Beutel nicht ganz austrinken. Aber, im Gegensatz zu einem Mann, stellte sie die fast leere Packung nicht wieder in den Kühlschrank zurück. Sie beugte sich über die Katzennäpfe und goss den Rest in die eine Schale. Sorgfältig faltete sie den Trinkkarton zusammen, legte ihn auf die Spüle und schlurfte ins Badezimmer.

Ferdinand wartete und beobachtete weiter. Die Einbrecher hatten sich nicht bewegt und er wusste noch immer nicht, wo sie waren.

Aus dem Badezimmer hörte er das gurgeln der Spülung. Ferdinand hasste das Geräusch. Und gerade jetzt störte es sehr. Wenn sich die Eindringlinge jetzt bewegen würden, hätte er es nicht gehört.

Fräulein Besenlaub gähnte und stieg gemütlich die Treppe hoch. Ferdinand wünschte sich, er hätte jetzt mit ihr hochgehen und sich an sie kuscheln können. Aber er hatte keine Zeit. Noch nicht.

Endlich war es wieder still im Haus. Ferdinand wartete, lauschte. Hatte er sich geirrt?

Nichts bewegte sich, kein Geräusch.

Geduldig wie er war, blieb er hinter der Gardine sitzen und wartete.

Was war das? Ein Geräusch aus der Küche. Jemand war am Katzennapf. Das kratzende Geräusch des Plastiknapfes auf dem Plattenboden kannte er. Es durchmischte sich mit dem Klang von gierigem Schlabbern. Katzenzunge in Milch. Ferdinand hatte genug! Mit einem grossen Satz hatte er das Wohnzimmer durchquert und er stand in voller Grösse im Türrahmen. Die beiden Diebe leckten seine Milch aus. Ferdinand krümmte den Rücken zum Buckel und fauchte in die Küche. Die Diebe schauten sich erschrocken an, dann Ferdinand. Mit wenigen Sprüngen hatten sie sie Katzenklappe erreicht und das Haus fluchtartig verlassen. Die würden sich nie mehr in Ferdinands Revier trauen!

Er leckte die letzten Milchtropfen aus seinem Napf, putzte sich das Gesicht mit den Pfoten und mit wenigen Sprüngen hatte er das obere Ende der Treppe erreicht. Die Türe zu Fräulein Besenlaubs Schlafzimmer stand offen. Er huschte hinein und sprang auf ihr Bett. Er kuschelte sich an sie und ihre Hände streichelten seinen Bauch. Genau so mochte Ferdinand die Nächte!

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