Einkaufsliste

Vergesslichkeit durch technische Hilfsmittel zu kompensieren, ist clever. Auch ich brauche in der Zwischenzeit öfters eine Einkaufsliste. Soweit, so gut.

Aber: Wenn ich die Liste abstreichen muss, weil ich mir nicht merken kann, welche Artikel ich von meiner Liste bereits im Einkaufswagen habe, so zeugt dies nicht von enormer Merkfähigkeit. Merken Sie etwas? Genau – ich mag Einkaufslistenabstreicher nicht …

Und was muss mir passieren? Logisch: Eine Einkaufslistenabstreicherin kann nicht einfach heimlich und leise einkaufen, nein, Madame muss auffallen!

Besagte Dame im Dorfladen. Gesamtverweildauer über 2 Stunden. Für 12 Artikel auf der Liste. Warum ich weiss, wieviel sie auf der Liste hatte?

Weil ich ihr jeden einzelnen Artikel zeigen musste! Kaum hatte ich ihr einen Artikel gezeigt, zottelte sie wieder los und legte das Produkt in den Einkaufswagen. Diesen hatte sie zusammen mit ihrem Begleiter in einer (wenigstens nicht störend) Ecke des Ladens abgestellt. Ihr Wagenschieber verdrehte in regelmässigen Abständen die Augen. Irgendwie gelang es mir nicht, ihr dauerhaft auszuweichen. Und jedes mal, wenn sie eine Mitarbeiterin ansprach, verlangte sie zur Bestätigung nach mir.

Sie winkte mir mit ihrer DinA4 Einkaufsliste von Weitem zu, rieb mir die Liste unter die Nase und fragte nach dunklen Pralinen. Punkt 10 auf ihrer Liste. Ich zeigte ihr diese. «Nein, das sind nicht die Richtigen!» Ich sah sie an. «Ich suche die im Beutel! Nicht in der Schachtel!» Wortlos nahm ich den Artikel daneben. «Sind die Dunkel?» «Denken Sie, ich hätte Lust, Ihnen nur so zum Spass die Falschen zu zeigen?» Nun sah sie mich an.«Das sind aber nicht die Richtigen!» «Es sind aber die Einzigen!» antwortete ich.

«Letztes Mal habe ich aber andere gekauft!» «Dann waren Sie letztes Mal nicht hier! Wir haben nur diese.» «Nein, ich kaufe immer hier ein!» «Ach ja, und warum finden Sie keinen der zwölf Artikel auf ihrer Liste ohne Hilfe?» Sie sah zunehmend verärgert aus. Mir begann es zu gefallen. Sie nahm die Pralinen in der Schachtel und trottete zu ihrem Wagenhüter. Er musste ihr einen Stift geben und sie strich die Pralinen ab.

Schliesslich fand sie sogar einen Artikel selbst – naja, fast. Ihr Mann gab ihr den Tipp, schliesslich hatte er die letzte Viertelstunden daneben gewartet.

Und dann kam sie wieder zu mir. «Jetzt suche ich noch Kugelschreiber!» Ich grinste sie an. «Das freut mich! Suchen Sie ruhig weiter!»

Ich kann ja so nett sein …

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