Drogenabhängige

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Bekanntlich gibt es ein paar Dinge, die ich nicht mag. Kälte zum Beispiel. Und dies in einem Winter, der sich nicht nach Winter anfühlt schon gar nicht. Und Regen. Kalter Regen. Ja, die Konstellation an diesem Morgen war besonders ungünstig.

Ein kalter Wind blies mir ins Gesicht und trug den kalten Regen mit sich. Ach ja: Regen, der nicht von oben kommt ist auch eines dieser Dinge …

Und mir viel ein Spruch ein, den ein Schulungsleiter einmal in einem Seminar erwähnte: “Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob ein Tag gut wird oder nicht!” Genau, ich kann mich jetzt über das Wetter aufregen oder es einfach regnen lassen. Dem Wetter ist es vermutlich egal. Deshalb versuchte auch ich, meine gute Laune zu halten.

Ich beobachtete genau, soweit man in der Dunkelheit überhaupt sehen konnte. Zwangsläufig orientierte ich mich mehr an Geräuschen und Gerüchen.

Es roch nach frisch gerauchtem Gras und von den Baustellen pfiffen die Hilfsarbeiter den Frauen nach.

Vor mir auf dem Kiesweg lagen Hundehaufen wie von Hänsel gelegte Kieselsteine zu meiner Streckenorientierung.

Ich stellte in mir großen Wiederstand fest. Meine Moral wollte sich einfach nicht heben und die Liste der Dinge, die ich nicht mag, verlängerte sich beinahe mit jedem Schritt.

‘Jeder kann für sich entscheiden …’ hallte es in meinen Gehirnwindungen, als ich etwas weiter vor mir eine offensichtlich ältere Frau mit einem Hund an der Leine entdeckte.

Bald einmal hatte ich sie eingeholt. Freundlich wie ich bin, wünschte ich ihr einen guten Morgen. Sie schien etwas überrascht zu sein und starrte mich wortlos an. Zum Glück konnte ich ihre Hände sehen – hätte sie diese in den Manteltaschen verborgen gehabt, so wäre ich nicht sicher gewesen, ob sie nicht bereits den Pfefferspray entsicherte.

Und dann sagte ich zu ihr: “Wenn ich schon mal eine Direktbetroffene sehe, würde ich sie gerne etwas Fragen!?”

Sie hatte noch immer keinen Ton von sich gegeben, aber immerhin atmete sie.

“Warum habt ihr Drogenabhängigen eigentlich immer einen Hund dabei?”

Sie sagte nichts, zerrte an der Hundeleine und schleifte ihren Hund in die Richtung, aus der ich kam.

Und ich stand da, ohne Antwort. Aber ich glaubte, der Regen hätte nachgelassen. Und von da an war der Tag richtig gut. Zumindest für mich …

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