Der gescheidte Hans oder Copy and Paste Spielereien

Lesezeit: 4 Minuten

Was viele Menschen nicht wissen, Computer gab es offenbar schon um 1850. Damals wie heute waren die Menschen beeindruckt von den Möglichkeiten. Und manch einer nutzte das Gerät schon damals, um Kunst zu produzieren. Wilhelm und Jacob Grimm zum  Beispiel. Im Buch “Kinder und Hausmärchen” von 1850 erschien die Geschichte vom gescheidten Hans. Ich weiss, dieses Märchen ist nicht sonderlich bekannt.

Ich erzähle die Geschichte ganz kurz: Der gescheidte Hans war wohl einer der Dümmsten seiner Zeit. Aber er hatte eine Verlobte. Wenigstens bis fast zum Schluss. Und Gretel war devot. Auch fast bis zum Schluss. Und Hänsel konnte keinen richtigen Knoten, sonst hätte er sie wohl nicht verloren.

Nun, was mich an der Geschichte extrem fasziniert ist die ständige Wiederholung von Textpassagen. Ausschneiden und Einfügen.

‘Wohin, Hans?’ Hans antwortet ‘zur Grethel.’ ‘Machs gut, Hans.’ ‘Schon gut machen. Adies, Mutter.’ ‘Adies, Hans.’
Hans kommt zur Grethel. ‘Guten Tag, Grethel.’ ‘Guten Tag, Hans. Was bringst du Gutes?’ ‘Bring nichts, gegeben han.’ Grethel schenkt dem Hans …

Dieser Text erscheint 6-Mal in dieser Geschichte.

‘Adies, Grethel.’ ‘Adies, Hans.’ … ‘Guten Abend, Mutter.’ ‘Guten Abend, Hans. Wo bist du gewesen?’ ‘Bei der Grethel gewesen.’ ‘Was hast du ihr gebracht?’ ‘Nichts gebracht, gegeben hat.’ ‘Was hat dir Grethel gegeben?’ … ‘Thut nichts, besser machen.’

Dieser ebenfalls.

Die Gebrüder Grimm müssen über einen Computer verfügt haben und Copy and Paste entdeckt haben!! Ich hätte den Nerv jedenfalls nicht, so etwas handschriftlich zu produzieren …

Und hier die ganze Geschichte, für alle, die jetzt neugierig wurden:

Hansens Mutter fragt ‘wohin, Hans?’ Hans antwortet ‘zur Grethel.’ ‘Machs gut, Hans.’ ‘Schon gut machen. Adies, Mutter.’ ‘Adies, Hans.’
Hans kommt zur Grethel. ‘Guten Tag, Grethel.’ ‘Guten Tag, Hans. Was bringst du Gutes?’ ‘Bring nichts, gegeben han.’ Grethel schenkt dem Hans eine Nadel. Hans spricht ‘Adies, Grethel.’ ‘Adies, Hans.’
Hans nimmt die Nadel, steckt sie in einen Heuwagen und geht hinter dem Wagen her nach Haus. ‘Guten Abend, Mutter.’ ‘Guten Abend, Hans. Wo bist du gewesen?’ ‘Bei der Grethel gewesen.’ ‘Was hast du ihr gebracht?’ ‘Nichts gebracht, gegeben hat.’ ‘Was hat dir Grethel gegeben?’ ‘Nadel gegeben.’ ‘Wo hast du die Nadel, Hans?’ ‘In Heuwagen gesteckt.’ ‘Das hast du dumm gemacht, Hans, mußtest die Nadel an den Ermel stecken.’ ‘Thut nichts, besser machen.’
‘Wohin, Hans?’ ‘Zur Grethel, Mutter.’ ‘Machs gut, Hans.’ ‘Schon gutmachen. Adies, Mutter.’ ‘Adies, Hans.’
Hans kommt zur Grethel. ‘Guten Tag, Grethel.’ ‘Guten Tag, Hans. Was bringst du Gutes?’ ‘Bring nichts, gegeben han.’ Grethel schenkte dem Hans ein Messer. ‘Adies, Grethel.’ ‘Adies, Hans.’
Hans nimmt das Messer, steckts an den Ermel und geht nach Haus. ‘Guten Abend, Mutter.’ ‘Guten Abend, Hans. Wo bist du gewesen?’ ‘Bei der Grethel gewesen.’ ‘Was hast du ihr gebracht?’ ‘Nichts gebracht, gegeben hat.’ ‘Was hat dir Grethel gegeben?’ ‘Messer gegeben.’ ‘Wo hast du das Messer, Hans?’ ‘An den Ermel gesteckt.’ ‘Das hast du dumm gemacht, Hans, mußtest das Messer in die Tasche stecken.’ ‘Thut nichts, besser machen.’
‘Wohin, Hans?’ ‘Zur Grethel, Mutter.’ ‘Machs gut, Hans.’ ‘Schon gut machen. Adies, Mutter.’ ‘Adies, Hans.’ Hans kommt zur Grethel. ‘Guten Tag, Grethel.’ ‘Guten Tag, Hans. Was bringst du Gutes?’ ‘Bring nichts, gegeben han.’ Grethel schenkt dem Hans eine junge Ziege. ‘Adies, Grethel.’ ‘Adies, Hans.’
Hans nimmt die Ziege, bindet ihr die Beine und steckt sie in die Tasche. Wie er nach Haus kommt ist sie erstickt. ‘Guten Abend, Mutter.’ ‘Guten Abend, Hans. Wo bist du gewesen?’ ‘Bei der Grethel gewesen.’ ‘Was hast du ihr gebracht?’ ‘Nichts gebracht, gegeben hat.’ ‘Was hat dir Grethel gegeben?’ ‘Ziege gegeben.’ ‘Wo hast du die Ziege, Hans?’ ‘In die Tasche gesteckt.’ ‘Das hast du dumm gemacht, Hans, mußtest die Ziege an ein Seil binden.’ ‘Thut nichts, besser machen.’
‘Wohin, Hans?’ ‘Zur Grethel, Mutter.’ ‘Machs gut, Hans.’ ‘Schon gut machen. Adies, Mutter.’ ‘Adies, Hans.’
Hans kommt zur Grethel. ‘Guten Tag, Grethel.’ ‘Guten Tag, Hans. Was bringst du Gutes?’ ‘ Bring nichts, gegeben han.’ Grethel schenkt dem Hans ein Stück Speck. ‘Adies, Grethel.’ ‘Adies, Hans.’
. Hans nimmt den Speck, bindet ihn an ein Seil und schleifts hinter sich her. Die Hunde kommen und fressen den Speck ab. Wie er nach Haus kommt, hat er das Seil an der Hand, und ist nichts mehr daran. ‘Guten Abend, Mutter.’ ‘Guten Abend, Hans. Wo bist du gewesen?’ ‘Bei der Grethel gewesen.’ ‘Was hast du ihr gebracht?’ ‘Nichts gebracht, gegeben hat.’ ‘Was hat dir Grethel gegeben?’ ‘Stück Speck gegeben.’ ‘Wo hast du den Speck, Hans?’ ‘Ans Seil gebunden, heim geführt, Hunde weggeholt.’ ‘Das hast du dumm gemacht, Hans, mußtest den Speck auf dem Kopf tragen.’ ‘Thut nichts, besser machen.’
‘Wohin, Hans?’ ‘Zur Grethel, Mutter.’ Machs gut, Hans.’ ‘Schon gut machen. Adies, Mutter.’ ‘Adies, Hans.’
Hans kommt zur Grethel. ‘Guten Tag, Grethel.’ ‘Guten Tag, Hans. Was bringst du Gutes?’ ‘Bring nichts, gegeben han.’ Grethel schenkt dem Hans ein Kalb. ‘Adies, Grethel.’ ‘Adies, Hans.’
Hans nimmt das Kalb, setzt es auf den Kopf, und das Kalb zertritt ihm das Gesicht. ‘Guten Abend, Mutter.’ ‘Guten Abend, Hans.’ ‘Wo bist du gewesen?’ ‘Bei der Grethel gewesen.’ ‘Was hast du ihr gebracht?’ ‘Nichts gebracht, gegeben hat.’ ‘Was hat dir Grethel gegeben?’ ‘Kalb gegeben.’ ‘Wo hast du das Kalb, Hans?’ ‘Auf den Kopf gesetzt, Gesicht zertreten.’ ‘Das hast du dumm gemacht, Hans, mußtest das Kalb leiten, und an die Raufe stellen.’ ‘Thut nichts, besser machen.’
‘Wohin, Hans?’ ‘Zur Grethel, Mutter.’ ‘Machs gut, Hans.’ ‘Schon gut machen. Adies, Mutter.’ ‘Adies, Hans.’ Hans kommt zur Grethel. ‘Guten Tag, Grethel.’ ‘Guten Tag, Hans.’ ‘Was bringst du Gutes?’ ‘Bring nichts, gegeben han.’ Grethel sagt zum Hans ‘ich will mit dir gehen.’
Hans nimmt die Grethel, bindet sie an ein Seil, leitet sie, führt sie vor die Raufe und knüpft sie fest. Darauf geht Hans zu seiner Mutter. ‘Guten Abend, Mutter.’ ‘Guten Abend, Hans.’ ‘Wo bist du gewesen?’ ‘Bei der Grethel gewesen.’ ‘Was hast du ihr gebracht?’ ‘Nichts gebracht.’ ‘Was hat dir Grethel gegeben?’ ‘Nichts gegeben, mitgegangen.’ ‘Wo hast du die Grethel gelassen?’ ‘Am Seil geleitet, vor die Raufe gebunden, Gras vorgeworfen.’ ‘Das hast du dumm gemacht, Hans, mußtest ihr freundliche Augen zuwerfen.’ ‘Thut nichts, besser machen.’
Hans geht in den Stall, sticht allen Kälbern und Schafen die Augen aus und wirft sie der Grethel ins Gesicht. Da wird Grethel böse, reißt sich los und lauft fort, und ist Hansens Braut gewesen.

Die Geschichte habe ich per Copy and Paste bei Märchen.de geholt

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