Biometrisches Unverständnis

Lesezeit: 3 Minuten

Wenn man es nicht sagt, gibt es einen Kropf … so das alte Sprichwort. Ich habe mir fest vorgenommen, zu diesem Thema nichts zu sagen, weil ich ja unpolitisch bin … Immerhin habe ich es über den Abstimmungstag hinaus geschafft. Aber jetzt regen mich die Nörgler wieder mal mächtig auf.

Für alle, die nicht wissen, worum es geht: Das Schweizer Stimmvolk (rund 5 Mio. Stimmberechtigte) durfte am 17. Mai 2009 abstimmen, ob wir einen biometrischen Pass wollen oder nicht. Bei einer Wahlbeteiligung von 38% (etwa 1,9 Mio. Bürger) hatten sich 953136 dafür und 947632 dagegen ausgesprochen. Somit wird der biometrische Pass in der Schweiz eingeführt. Warum diese Zahlen?

Auf der Erde gibt es 28 Städte(!) (nicht Länder!!), welche mehr Einwohner zählen, als die Schweiz Stimmbürger hat. Rund 15 Städte haben mehr Einwohner als die Schweiz Einwohner hat. Oder noch extremer: In der Schweiz leben rund 0.1 % der Weltbevölkerung. Was glaubt Ihr eigentlich? Wenn die Welt einen biometrischen Pass will, können wir dagegen sein? Lächerlich …

Ja, ich weiss … die Amerikaner wollen ihn und nicht die ganze Welt. Habe ich schon oft gehört.

Aber wenn ich nach Amerika will, so will ich nicht an der Grenze ein Theater erleben müssen, weil ein Teil des Stimmvolkes gegen einen solchen Pass ist! Übrigens: Es muss keiner einen biometrischen Pass nehmen! Das ist freiwillig! Für Europa reicht die Identitätskarte weiterhin problemlos aus.

Die Zentrale Datenbank sei das Problem! Das war das Hauptargument der Gegner. Ja, das stimmt! Wenn es diese zentrale Datenbank nicht geben würde, wäre ich vermutlich auch dagegen!!

Als ich vor einiger Zeit vom Kanton Bern in den Aargau zog (ich lasse jetzt Angaben zur Bevölkerungszahl weg, es wäre lächerlich), stellte ich fest, was für ein verfluchtes System wir mit dem Kantönligeist haben! Im Kanton Bern muss man sich an 15 verschiedenen Stellen abmelden, um sich dann im Aargau an 15 anderen Stellen (meist noch unter anderem Namen) wieder anzumelden. Kosten ohne Ende. Wie sehr hätte ich mir da eine zentrale Datenbank gewünscht??!! Adresse ändern und man ist überall geändert …

Die Sicherheit sei das Problem, ein weiteres Argument. Ja, genau, das ist es! Wenn jede Gemeinde oder jeder Kanton ein eigenes Sicherheitssystem hat (die Daten werden so oder so gespeichert! Übrigens bei der Identitätskarte auch!), ist die Sicherheit aus meiner Sicht viel weniger gewährleistet. Ich glaube nicht, dass sich ein Kleinkanton die gleichen Sicherheitseinrichtungen leisten kann, wie ein Grosser. Oder gar auf Gemeindeebene; Ich kenne Gemeinden, wo Gemeindeversammlungen im Wohnzimmer des Gemeindepräsidenten abgehalten werden, vermutlich würde er das Register der biometrischen Pässe unters Kopfkissen stecken …

Ausserdem: Sollte die Datenbank tatsächlich entgegen der gesetzlichen Vorlagen und dem Versprechen der zuständigen Bundesrätin zur kriminaltechnischen Untersuchung benutzt werden, so schadet das nur genau jemandem: Dem Täter! Alle anderen können dadurch entlastet werden!

Ich erwarte nicht, dass sich ein Gegner der Vorlage von meinen Ausführungen beeindrucken lässt. Sind ja auch bloss meine Gedanken und ich will niemanden beeinflussen. Ich wage eine Behauptung: Jeder, der diese Zeilen am Computer liest, hat eine E-Mailadresse. 30% davon sind bei Facebook oder sonst irgendeiner Community registriert. Schon mal den eigenen Namen bei yasni.de eingegeben? Ich kenne gerade mal 4 Personen, welche dort nicht mit mindestens einem Eintrag erscheinen … und die haben vermutlich nicht mal einen Pass … Mein Name erscheint mit über 100 Einträgen (aber es gibt auch andere Menschen mit diesem Namen!) 

38% Stimmbeteiligung … hmmm … wieviele der Kritiker an meinem Blog waren wohl an der Abstimmung …?? Man sollte sich an der Urne mit dem biometrischen Pass ausweisen müssen und erfasst werden … und nach der Abstimmung könnte man auf Googlemaps die Standorte der Nichtstimmer anzeigen … und wehe dem, der nicht ausser Landes war… dem könnte man eine Busse direkt auf die Steuerrechnung belasten …

Gestern habe ich in einem Elektronik- Katalog ein neues Spielzeug entdeckt: Ein GPS-Warner. Ein Hochpräziser GPS-Empfänger, bis 2 Meter genau. Fahrtrichtungserkenner und Europas grösste Blitzer Datenbank. Warnt vor Gefahrenstellen (auf dem Bild ein Kindergarten- Schild).Für nur 39.90 Euro. In einigen Ländern ist der Gebrauch von Geräten verboten, welche die Standorte von Geschwindigkeitsmessanlagen anzeigen, so das Kleingedruckte. In diesen Ländern die Blitzerdaten einfach nicht installieren, die Empfehlung. Wie viele dieser Geräte kann die Firma wohl verkaufen? 1000? Mehr? Wir werden es wohl nie erfahren. Ob sich die Käufer dieser Geräte wohl auch Sorgen über die Datensicherheit machen? Schliesslich sind sie per Satellit auf zwei Meter genau zu orten …

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Ein Kommentar

  • polaria

    einfach weltklasse! toll das mal einer erklärt um was es wirklich geht. aber wir haben es geschaft und ich bin heil froh!

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