Behindertenausflug

Sommerabend am See, was könnte erholsamer sein. Nicht mehr ganz so heiß die Luft, dennoch warm. Die untergehende Sonne taucht den See in ein Orangeblau, die Segel der Boote gleiten über den See. Im Strandbadrestaurant fröhliche Menschen. Keine Hektik, allen scheint die Lebendigkeit des Tages von den Schultern genommen zu sein.

Der Alleinunterhalter an seinem Keyboard singt von Liebe und von Sehnsucht. Einzig die Lieder, welche man von der Aperobar in der Skihütte kennt, passen nicht zur Idylle.

Um so mehr erfreut sich eine Gruppe geistig Behinderter daran und der Entertainer lädt ein zum Mitsingen! Und sie tun es, mit Leib und Seele. Ballermann am Bodensee. Mit dem Unterschied, dass das Publikum nicht besoffen ist und die Stimmung trotz Gegröle immer sehr entspannt bleibt. Ein herrlicher Abend.

Kaum war die Sonne hinter den Bergen versunken, machten sich die Betreuer der Gruppe daran, ihre Schützlinge zusammenzubringen und in die bereitstehenden Busse zu verladen. Offenbar waren es verschiedene Gruppen, die Begleitpersonen kannten nämlich nicht alle ihre Schäfchen .

 

Ich stand jedenfalls am Straßenrand und beobachtete das Treiben, als mich eine Betreuerin ganz lieb ansah und mir andeutete, mitzukommen. Weil ich an ihr nichts Hässliches entdecken konnte, ging ich also zu ihr hin und hängte mich ein. Ich war erstaunt, dass die Frau, die ich nicht kannte, mich einfach so gewähren ließ. Egal, der Abend hatte traumhaft begonnen, warum sollte es nicht so weitergehen? Sie brachte mich jedenfalls in den Kleinbus, wies mir einen Sitzplatz zu und schnallte mich an. Da ich aber nicht wusste, wohin die Reise gehen sollte, beschloss ich, dass ich doch lieber selber fahren würde. Sie bestand aber darauf, dass ich sitzen blieb und verweigerte mir den Wunsch nach individueller Mobilität. 

 

Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir ein großes Gebäude. Ich musste warten, bis sie Zeit für mich hatte. Naja, Zeit schien sie nicht zu haben, im Gegenteil. Ich bekam mit, dass irgendetwas nicht passte – Scheinbar hätten sie einen aus ihrer Gruppe verloren und dafür einen aus der Anderen mitgenommen … Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich doch besser mein eigenes Auto benutzt hätte. Sie war nicht dieser Meinung und brachte mich in ein Zimmer mit der Bemerkung, wir würden am Morgen alles wieder in Ordnung bringen.

Was danach geschah in der Zusammenfassung: Ich wurde in einem Kleinbus in ein Pflegeheim gefahren, dort erkannte mich auch niemand. Schließlich wurde ich von mehreren Ärzten untersucht, aber keiner glaubte mir, dass ich nicht behindert sei.

Ich sage euch: Rein kommt man schnell, bloß nicht wieder raus! Die Tatsache, dass meine Geschichten nicht immer ganz rational Nachvollziehbar sind, erschwerte meine Entlassung zusätzlich.

Heute bin ich wieder frei, aber unter Beobachtung …

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