Bahnhofdeutsch – die Zweite

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Viel hat sich nicht verändert in den letzten Jahren an den Bahnhöfen. Etwas, was mir persönlich am Herzen liegt allerdings schon: Heute gibt es sogar richtig guten Kaffee! Und dies nicht nur zufällig, sondern an mehreren Verkaufsständen.

Der Kaffee im Becher heiß und kräftig, die Preise gesalzen, die Szenen süß und manchmal bitter. So, wie vorhin gerade erlebt.

An meinem bevorzugten Verkaufsstand bediente ein junger Mann, welchen ich westasiatischer Herkunft bezeichnen würde. Seine Mimik erinnerte mehr an einen Eisbären – es gab keine. Ohne die geringste Gesichtszuckung reichte er mir den bestellten Kaffee. Anders beim Kunden nach mir. Nicht, dass sich der Gesichtsausdruck geändert hätte. Aber er sprach.

 

Wer jemals die Welt bereist hat, der weiß: Cola kann man überall auf der Welt bestellen. Cola versteht jeder. Und wenn man es in der Flasche serviert bekommt, weißt man auch, was man erhält.

Anders ist das bei Kaffee. Kaffee wird auch in fast allen Sprachregionen verstanden – bekommen tut man aber selten das gleiche!

Der Kunde hinter mir bestellte “two Coffee”, und ergänzte die Bestellung mit “with Milk”.

Ich glaube, wenn die beiden sich in ihrer Muttersprache unterhalten hätten, hätten sie sich sogar verstanden. Der Verkäufer am Stand hatte allerdings keine große Lust auf Konversation und so nannte er dem Kunden lediglich den Preis, in ebenso gebrochenem Englisch.

Das Problem mit den Fremdsprachen, die man nicht gut beherrscht, ist, dass man sich nur vereinfacht unterhält. Auf das wesentliche beschränkt.

So kam es, dass der Dialog der beiden Männer relativ simpel blieb.

Der Kunde ergänzte seine Bestellung nach dem Zahlvorgang mit den Worten (zum einfacheren Verständnis in Deutsch übersetzt): “1 Espresso und 1 Cappuccino.”

Der Verkäufer mit dem Eisbärblick: “Sie haben 2 Kaffee mit Milch bestellt!”

Kunde: “Ja, 1 Espresso, 1 Cappuccino.”

Eisbär: “Espresso ist ohne Milch und Cappuccino ist teurer!”

Kunde: “Ja …”

Wie die Geschichte ausgegangen ist?

Der Kunde durfte seine zwei Kaffee im Becher haben und durfte dem nächsten Kunden Platz machen. Vielleicht hat er die bereitstehenden Milchportionen gesehen, ansonsten wird er den Kaffee wohl schwarz getrunken haben.

Ich stelle mir gerade vor, wie dieser Mann wohl sein nächstes Getränk in der Schweiz bestellt: “Cola”!

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Ein Kommentar

  • Yes

    Also ich nenne diese momente Bitter Sweet moments. Und du sitzt oder stehst irgendwo im Bahnhof. Und es kommt noch ein hauch durchzug über dich von der Bahnhofshalle.

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