Bahnfahrt, die Erste

Ach, ich kann es nicht mehr hören … das soziale Gewissen der Welt … Mal dies, mal jenes. Heute Umweltschutz. Jeder Politiker, jede Firma … alle versuchen über Umweltschutz berühmt zu werden!

Neulich habe ich mich für einen Weiterbildungskurs angemeldet und habe mich entschlossen, auch meinen Beitrag zu leisten und die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Als spontaner Mensch habe ich mir da keine grossen Gedanken gemacht, kurz überlegt, in welche Richtung der Zug fahren muss und eine Fahrkarte mit dem Zielort gelöst. Wenn man auf dem Land lebt, muss man aber zuerst einmal zum Bahnhof kommen; dafür benutzt man ja logischerweise das Auto. Und wo stellt man es hin? Auf den Parkplatz beim Bahnhof! Diesen habe ich gefunden, einen Parkplatz auch; den Fussweg zum Bahnhof zurück schliesslich auch und den Zug sah ich ebenfalls … den Bahnhof wieder verlassen …! Wissen Sie, wie kalt es morgens um sechs auf einem Bahnhof ist? Und wie schlecht der Kaffee schmeckt? Ich jetzt schon!

Den nächsten Zug habe ich erwischt! Können Sie sich vorstellen, wie viele Menschen am Morgen früh mit dem Zug zur Arbeit fahren wollen? Die Bahngesellschaft offenbar auch nicht; aber als Faustregel würde ich sagen: doppelt so viele, wie Sitzplätze. Allerdings geschah etwas Unfassbares: Ein junger Typ bot mir seinen Sitzplatz an (sah ich schon so alt und gebrechlich aus?). Ich setzte mich, erntete dafür einen bösen Blick von einer älteren Dame im Gang und stand also wieder auf; schliesslich hatte ich es auch mal so gelernt! Bestimmt kennen Sie das unangenehme Gefühl einer verstopften Nase beim Schnupfen auch. Aber ich habe mir in diesem Moment einen Schnupfen gewünscht! Liebe Leute: Es gibt im Dorfladen auch Deos, die einen ganzen Tag lang anhalten! Da muss man nicht am Morgen soviel auftragen, dass den anderen Fahrgästen die Augen brennen!

Der Gong ertönte und eine Stimme (es erinnerte mich an die Stimme in der Fernsehwerbung, die sagt: „Ruf an!“) sagte, dass Fahrgäste, welche nach Zürich fahren wollten, hier umsteigen müssten.

Ich quetschte mich deshalb durch die Menschenmenge und suchte den Ausgang; als der Zug anhielt, stellte ich fest, dass diese Leute auch den Zug verlassen wollten.

Ich stellte fest, dass es in diesem Bahnhof zwar schon etwas heller war, aber kein bisschen wärmer … Auf der Anzeigetafel konnte ich lesen, dass mein Anschlusszug in 30 Minuten fuhr … Zeit für Kaffee. Es gibt etwas, das wirklich schlimmer ist, als schlechter Kaffee: Heisser, schlechter Kaffee …

Die Bahnfahrt geht in der nächsten Geschichte weiter!

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