Aussendienstmitarbeiter

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Als privater Dorfladen wird man auch gelegentlich von Aussendienstmitarbeitern heim … ähm … besucht.. Ich unterscheide da in zwei Kategorien: die Guten und die Andern. Die Guten zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Ladentüre fast nicht öffnen können, weil sie mit derart vielen Werbegeschenken und Bonusware ausgestattet sind. Sie kontrollieren meine Ware auf Verfalldaten und tauschen entsprechende Artikel aus, zeigen mir neue Produkte und belohnen das Vorhandensein ihres Sortimentes mit Geschenken. Und dann gibt es eben die Anderen; unnötig, nichts dabei als einen flotten Spruch auf den Lippen; meist vor meinem fünften Kaffee – wer mich ein bisschen kennt, weiss, was das heisst … Es war wieder einer dieser Tage: Montagmorgen, Satzbehälter voll, Wassertank leer, keine Kaffeebohnen nachgefüllt … nasskaltes Juliwetter, der Gemüselieferant hatte den Wagen wiedermal zu hoch beladen … knapp aufgestanden und auf dem Weg das extrem belebende Licht einer Radaranlage im Gesicht, der reservierte Parkplatz besetzt … zwei Mal die Finger zwischen den Kisten eingeklemmt und noch keine Aussicht auf den dritten Kaffee.. und dann kommt ein „Anderer“ in den Laden … „Wunderschönen Guten Morgen wünsche ich, alles klar bei ihnen, schon frisch und munter?“ sang er mir entgegen. „Hmpf“ brachte ich heraus. „Haben sie eine Sekunde Zeit, sich unsere wunderbare Neu-heit anzuschauen?“ Ich schaute ihn langsam an, guckte über meine Brille zu ihm hinauf. ‚Ein GROMADUSA‘ dachte ich (Grosser, magerer, dummer Sack).. Wie konnte man nur so viele Fehler auf einmal machen? Falsche Zeit, falscher Ort, falsches Aussehen, ich wusste nicht, wer er war, für welche Firma und … rosa Hemd!! „Nein, ich bin im Stress!“ sagte ich. „Ach, sie wissen ja, wie das ist! Stress macht man sich selbst!“ strahlte er mich an wie ein Marienkäfer. Das war so etwa wie die Unterschrift auf einem Bild von Picasso – die absolute Vollendung eines wirren Morgens. „Da haben sie völlig recht“ sagte ich ruhig „Stress macht man sich selbst – zum Beispiel dadurch, dass man Vertreter ohne Anmeldung empfängt, sich von solchen vollquatschen lässt über ein Produkt, welches weder schön, noch gut, geschweige denn koffeinhaltig ist..!“ Seine Gesichtsfarbe veränderte sich zusehends; irgendwann hatte sie dieselbe Farbe wie sein Hemd … aber nur kurz..er wurde noch blasser.. Wenn schon mein Morgen nicht gut war, so brauchte er schon ganz bestimmt keinen … allerdings: Nachdem er den Laden verlassen hatte, ging es mir richtig gut, obwohl ich erst bei der vierten Tasse war.

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