Armer Kerl

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Irgendwie tat mir der arme Kerl leid. Unbekannterweise. Naja, die hübsche Freundin muss er sich ja auch irgendwie verdienen. Andererseits: so hübsch war sie gar nicht. Und dass sie im Zug mit einer Freundin telefonierte, ohne sich um Diskretion zu bemühen, machte sie in meinen Augen ebenfalls nicht begehrenswerter.

Seit Jahren habe ich eine Theorie:

Der Friseurbesuch ist für Frauen deshalb fünf mal teurer als für Männer, weil es eine Kunst ist, zwei Stunden in den Haaren einer Frau zu wühlen, ohne dass man danach eine Veränderung erkennen kann. Ich jedenfalls kann das nicht. Streichle ich einer Frau fünf Minuten die Haare, sieht sie aus wie ein statisch geladener Wischmopp. Andererseits …

Aus dem Telefongespräch konnte ich entnehmen, dass sie soeben beim Friseur war. Einem Starcoiffeur in Zürich. Sie musste sich die Haare machen lassen, weil sie für drei Wochen in die Ferien fliegen würden. Ausnahmsweise bei diesem Friseur, wie sie ihrer Gesprächspartnerin erklärte. Und so teuer wäre es gar nicht gewesen. Und schließlich wäre der Weg dafür nicht so weit. Die Freundin wollte es offenbar genauer wissen und deshalb nannte sie die Zahl 250. Und nein, es hätte nur 2 Stunden gedauert.

Ich glaube, ich bin im falschen Beruf. Für genau diese Frisur brauche ich, wie gesagt, lediglich fünf Minuten.

Und sie war nun auf dem Heimweg. Zu ihm. Und wenn er nur ein bisschen normaler Mann ist, so wird er nicht erkennen, dass sie gerade für 250.- ihre Haare hatte machen lassen.

Armer Kerl. Ich glaube jedenfalls zu wissen, was er sich die nächsten drei Wochen anzuhören hat!

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