Honig

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Klar, es gibt auch einfachere Dinge! Zum Beispiel Wasser. Da kann man einfach entscheiden. Mit Kohlensäure oder ohne. Oder mit wenig. Inländisch oder Import. Oder aus der Region. Mit mehr oder weniger Mineralien. Ich merke schon, ich habe ein schlechtes Beispiel erwischt.

Also was wirklich einfaches: Äpfel. Rot oder grün. Oder Gelb. Süßlich oder säuerlich. Aus dem Inland oder … Ach, lassen wir das!

Jedenfalls wollte die Dame Honig kaufen und sie tat es schon mal am richtigen Ort: bei mir im Dorfladen!

Aber eben, es gibt einfachere Dinge, als Honig zu kaufen.

Auf jeden Fall wollte sie die komplette Beratung und meine stimmungsmäßige Verfassung war vielversprechend. Es hätte klappen können!

Sie wollte zuerst wissen, welches die Unterschiede wären. Ich präsentierte ihr das ganze Sortiment: Waldhonig, Blütenhonig, Landhonig, Berghonig, Akazienhonig, Lavendelhonig. Cremig, flüssig, Dosierflasche, Dose, Glas. Französischer, Schweizer, aus der Region, Österreichischer, Importhonig.

Sie war etwas sprachlos und meine Auskunftsbereitschaft schien sie zu überraschen (mich selbst auch) und gleichzeitig zu überfordern.

Und was machen Kunden in solchen Situationen? Richtig! Sie stellen Fragen! Anstatt es mal einfach gut sein zu lassen.

Sie wollte wissen, welches denn der unterschied zwischen den einzelnen Herkunftsländern sei. Ich erklärte ihr, dass sie, falls sie beabsichtigte, mit ihrem Honig zu sprechen, sie einen wählen sollte, den sie auch versteht. Sie verneinte diese Absicht und wir waren so schlau wie zuvor. Nun stellte sie die kritische Frage: Ob ich ihr garantieren könne, dass der Waldhonig aus dem Wald und der Berghonig aus den Bergen komme.

Mein Freundlichkeitslevel sackte ab. Nichts desto trotz bestätigte ich ihr, dass die Herkunft gesichert sei.

Kennen sie das? Die Wunde ist längst verheilt, aber irgend ein Esel kratzt die letzte Kruste wieder auf und es beginnt erneut zu bluten …

Genau so. Sie wollte es genauer wissen! Warum ich mir so sicher sei, schließlich werde man ja überall abgezockt! Und bei dem Preis müsste man schon sicher sein können.

 

Abgezockt! Ich hasse dieses Wort! Die Leute haben heute überall das Gefühl, betrogen zu werden, für etwas zuviel zu bezahlen oder irgendwo zu kurz zu kommen. Und die ganz Dummen nennen es “Abzocke”! Genau so erklärte ich es ihr.

“Meine Liebe“, fuhr ich fort,  „ich kann ihnen versichern, dass der Berghonig aus den Bergen kommt und von Bergbienen gemacht wird. Bienen fliegen im Durchschnitt nicht weiter als 1 Kilometer. Es ist also durchaus möglich, zu bestimmen, wo der Honig produziert wird. Und wenn ihnen der Berghonig zu teuer ist, dann kann es auch daran liegen, dass sie es sich nicht leisten können!”

Das ließ sie nicht auf sich sitzen und sie kaufte gleich zwei Gläser davon.

Wenig später am gleichen Tag, abermals eine Kundin bei den Brotaufstrichen. Ich befürchtete bereits wieder Ärger als sie mich ansprach.

“Was haben sie für Honig?”, fragte sie freundlich. Ich beschloss, mich nicht zu weit in die Diskussion einzulassen und sagte einfach: “Wald- und Blütenhonig!”

Ihre Antwort war so kurz wie einfach: “Den nehm’ ich!”

Und weil ich nicht der Esel sein wollte, der eine Wunde aufkratzte, packte ich ihr ein Glas Waldhonig und ein Glas Blütenhonig in eine Tüte.

Manchmal ist es wirklich einfach!

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Ein Kommentar

  • Robert Köhler

    Hallo,
    ich will mal nicht der Esel sein der hier so toll als dumm verkauft wird, was so auch nicht ist, aber
    Bienen, insbesondere die Honigbiene, fliegen, wenn sie eine besondere Tracht (Phacelia z.B.) gefunden hat, sogar 5 KM und weiter.
    Mal so als Anmerkung an all diejenigen die meinen Bienen fliegen nicht viel weiter als so 1 KM.
    Aber der Text an und für sich, ist sehr gut und leider nur all zu wahr.
    Gruß Robert

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